Sperrmüll-Ermittler Gerhard Schuster bei der Arbeit

Jeden Tag landet illegal Sperrmüll auf Hessens Straßen. Frankfurt hat besonders große Probleme damit. lestemag.de war unterwegs mit einem Mann, der gegen die Müllberge ankämpft und die Verursacher sucht.

Videobeitrag

Video

zum Video Kampf gegen illegale Sperrmüll-Entsorgung

hs
Ende des Videobeitrags

Gerhard Schuster steht vor einem Haufen Sperrmüll, mitten in einem Frankfurter Wohngebiet. Ein Kühlschrank, graue Sofateile und eine Matratze türmen sich zwischen Altglascontainern und einem Container für Kleiderspenden. Der 64-Jährige zückt seine Digitalkamera und fotografiert den illegal abgestellten Müll.

Schuster ist Sperrmüll-Ermittler und zuständig für illegalen Ablagerungen am Straßenrand, die Unbekannte in Wohnbezirken abladen. Seine Aufgabe: Nach den Verursachern der Müllberge suchen, damit es bestenfalls zu einer Anzeige kommt.

3.700 illegale Sperrmüllberge in Frankfurt

Einen Tag nach der offiziellen Sperrmüllabfuhr kontrolliert Schuster Stadtbezirke und sieht nach, wo illegale Müllansammlungen entstanden sind. Außerdem geht er Hinweisen nach, die Bürger über ein Online-Portal melden können.

"Die wilden Ablagerungen nehmen jährlich zu", erklärt der 64-Jährige. Zu manchen Brennpunkten könne er täglich fahren. Viele meldeten Sperrmüll nicht an oder stellten Hausmüll zu angemeldetem Sperrmüll dazu: Fernseh-Kartons, Toaster oder Laminat- und Tapetenreste, erklärt Schuster.

3.700 Mal musste der Frankfurter Müllentsorger FES bis Mitte August im Frankfurter Stadtgebiet ausrücken, um illegale Sperrmüllberge zu entfernen, sagt Claudia Gabriel, Leiterin der "Stabsstelle Sauberes Frankfurt“. Mehr als im gesamten vergangenen Jahr, da habe die FES 3.500 illegale Müllablagerungen entfernt. Die Dunkelziffer dürfte in Frankfurt aber höher liegen. Illegale Sperrmüll-Ablagerungen in den Grünflächen und Frankfurts Außenbereichen müssten hinzu gerechnet werden, sagt Gabriel. Für deren Entsorgung sind das Grünflächenamt und das Umweltamt zuständig. Die Gesamtkosten für die Entsorgung der illegalen Sperrmüllberge gehen laut Gabriel in die Millionen.

Umweltschädliche Lacke neben Sperrmüll

Das Problem: In den meisten Fällen lassen sich die Verursacher nicht ausfindig machen. "Außer ich finde im Sperrmüll einen Briefkopf", sagt Schuster. Den Müllsündern drohe eine Rechnung von mehreren tausend Euro: Einige hundert Euro Bußgeld, dazu noch die Entsorgungskosten.

Immer häufiger stellen Unbekannte aber auch sogenannte Störstoffe auf die Straße - umweltschädliche Lacke und Farben zum Beispiel. Deren Entsorgung sei teuer und Sache des Umweltamts. "Keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftrat“, belehrt Schuster.  

Illegale Sperrmüllberge auch in anderen Städten

Illegale Sperrmüllberge sorgen auch in anderen hessischen Städten für Probleme. In Offenbach gibt es inzwischen vier "Müllerermittler", die bis Mitte August schon über 1.000 illegale Fundstellen identifiziert haben, erklärt Daniel Krüger vom Ordnungsamt der Stadt. Die Suche nach den Verursachern stellt sich auch hier schwierig dar. Nur etwa jeder zehnte Verursacher werde gefunden.

Auch die Landeshauptstadt Wiesbaden kämpft mit wilden Sperrmüll-Ablagerungen. 4.788 illegale Sperrmüll-Ablagerungen hat es nach Angaben von Frank Sand, von der Stabstelle "Sauberes Wiesbaden" im vergangenen Jahr in Wiesbaden gegeben. Die Gesamtkosten für die Entsorgung liegen in Wiesbaden demnach jährlich bei rund 240.000 Euro. Je citynäher und anonymer, desto mehr illegale Sperrmüllberge finden sich, erläutert Markus Patsch, Betriebsleiter der Entsorgungsbetriebe ELW.

Illegale Sperrmüllberge sind laut Stadtsprecherin Claudia Boje auch in Gießen "ein Dauerthema". Die Beseitigung beziffert die Stadt auf jährlich rund 65.000 Euro

Familienname auf Koffer

Frankfurts Sperrmüll-Ermittler Schuster will seine Arbeit so schnell nicht aufgeben, denn "wer lebt schon gerne im Müll?". Bei seiner Tour findet er diesmal noch einen Koffer, der mit einem Namen beklebt ist. Vielleicht ein Hinweis, um dem Verursacher ein Stück näher zu kommen.

Sendung: lestemag, hr-fernsehen 20.08.2019, 19:30 Uhr