Stefan Jagsch (NPD) / Tatjana Cyrulnikov (CDU)

Eine junge CDU-Politikerin soll neue Ortsvorsteherin in Altenstadt werden. Nach dem Eklat um die Wahl des NPD-Politikers Jagsch mit Stimmen von CDU, SPD und FDP will Tatjana Cyrulnikov Nachfolgerin des Rechtsextremisten werden. Die 22-Jährige könnte schon kommende Woche gewählt werden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Junge-Union-Vorsitzende soll NPD-Ortsvorsteher nachfolgen

Plötzlich bundesweit bekannt: Die Waldsiedlung in der Gemeinde Altenstadt (Wetterau)
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Tatjana Cyrulnikov (CDU) kandidiert für die Nachfolge des NPD-Politikers Stefan Jagsch, der am vergangenen Donnerstag zum Vorsitzenden des Ortsbeirats der Altenstädter Waldsiedlung (Wetterau) gewählt wurde. Die 22 Jahre alte Studentin und Vorsitzende der Jungen Union Wetterau sagte am Dienstag zu. Sie wird von CDU, SPD und FDP im Ortsbeirat unterstützt.

"Mir geht es um eine freie und offene Gesellschaft"

Die junge CDU-Politikerin ist seit September vergangenen Jahres Mitglied des Ortsbeirats. Bei der Wahl von Jagsch fehlte sie entschuldigt und gehörte somit nicht zu den sieben Mitgliedern des Gremiums, die den NPD-Politiker einstimmig ins Amt gewählt hatten.

Unmittelbar nach der Wahl des Rechtsextremisten äußerte sie sich entsetzt. "Diese Wahl werde ich nicht akzeptieren", schrieb sie auf Facebook. "Mir geht es um Menschlichkeit. Mir geht es um ein offenes und tolerantes Miteinander, um eine freie und offene Gesellschaft."

Die Wahl von Jagsch hatte bundesweit und sogar international für Empörung gesorgt - weil auch Vertreter von CDU, SPD und FDP für den Rechtsextremen stimmten.

Abwahl und Neuwahl frühestens kommende Woche

Cyrulnikov soll in einer außerordentlichen Sitzung des Ortsbeirats gewählt werden. Zuvor muss Jagsch abgewählt werden. Den Antrag zur Abwahl des NPD-Politikers haben außer Jagsch alle acht übrigen Ortsbeiratsmitglieder unterzeichnet. Er ist bereits per E-Mail Jagsch als Ortsvorsteher zugesandt worden.

Nach Angaben der Gemeinde Altenstadt wird die außerordentliche Sitzung zur Abwahl und Neuwahl frühestens in der kommenden Woche stattfinden.

Jagsch bekräftigte seine Absicht, gegebenenfalls juristisch gegen eine Abwahl vorzugehen. Der stellvertretende NPD-Landesvorsitzende sagte dem hr, dass er den Abwahlantrag in jedem Fall von seinem Anwalt auf Formfehler überprüfen lassen wolle.

Ex-Ortsvorsteher Dietrich: "Es gibt nur Verlierer"

Der ehemalige Ortsvorsteher der Waldsiedlung, Klaus Dietrich, der im Juni sein Amt aus Frust zur Verfügung gestellt hatte und damit eine Neuwahl notwendig machte, begrüßte die Kandidatur der jungen CDU-Politikerin.

Er traue ihr das Ehrenamt zu, sagte er am Dienstag dem hr. Über die vergangenen Tage seit der Wahl von Jagsch sagte er: "Es gibt nur Verlierer. Das sind die, die in gutem Wissen und Glauben ein einstimmiges Ergebnis präsentiert haben, was dann für einen regelrechten Aufschrei gesorgt hat."

Sendung: hr-iNFO, 10.09.2019, 16.00 Uhr